Geographie des Großen Barriereriffs

Naturraum und Ökologie

Lage

Vor der queensländischen Küste erstreckt sich vom Swain´s Rock (östlich von Gladstone) bis zur Mündung des Fly River (Papua-Neuguinea) über eine Entfernung von 2.027 km das Great Barrier Reef, das größte Korallenriff der Erde. Seine 3.000 Einzelriffe bedecken eine Fläche von 347.800 km². Der überwiegende Teil des "greatest living thing of the world" (heute überwiegend Nationalpark) reicht bis in eine Tiefe von 300 m und ist teilweise über 15.000 Jahre alt. In der bis 60 m tiefen, sandigen Lagune zwischen Küste und Outer Reef liegen 1.200 Inseln, von denen rund 700 reine Koralleninseln (Cays = von Sandablagerungen bedeckte Riffteile) sind, während es sich bei den übrigen um Reste versunkener Berge handelt. Während die flachen Cays nur eine spärliche Pflanzenwelt aufweisen, sind die bergigen Festlandinseln dicht mit tropischem Regenwald bedeckt. Die Entfernung zwischen dem nach außen steil abfallenden Outer Reef und der Küste mit ihren niedrigen Saumriffen schwankt zwischen 15 km im Norden und 400 km im Süden. Zwischen dem Cape Melville und Cairns bildet das Riff eine fast durchgehende Barriere (Ribbon Reef), die zum Meer hin bis zu 2.000 m tief abfällt.

Entstehung

Erbauer des Riffs sind winzige Korallenpolypen, die aus der Nahrung aufgenommene Kalke absondern und damit ihre "Wohnhöhlen" schaffen. Eine Kolonie solcher Polypen wächst alljährlich zu einem Korallenstock an (pro Jahr bis 5 cm Wachstum). Die Polypen, die nur in mindestens 21 Grad Celsius warmem Wasser existieren können, sterben ab, wenn sie die Wasseroberfläche erreichen. Insgesamt wurden am Great Barrier Reef 359 verschiedene Hart-Korallenarten gezählt. Die häufigsten sind die hirschhornartigen Staghorn Corals, die dombildenden Brain Corals, die "Porites" genannten runden (50 cm durchmessenden) Korallenmassen, die "Pilz-Korallen" und die "Orgelpfeifen-Korallen". Tagsüber sehen sie zumeist eintönig grau aus, erst gegen Abend verwandelt sich das Riff plötzlich in eine bunte Wiese.
Besorgnis erregt bei Experten, dass in den letzten Jahren weite Teile des nördlichen Riffs durch den 40 cm langen, vielarmigen "Crown of Starfish" (Dornenkronenseestern) zerstört wurden. Nach Ansicht einiger Fachleute handelt es sich dabei um einen regelmäßig wiederkehrenden natürlichen Vorgang, von dem sich das Riff nach einiger Zeit wieder erholt. Größere Gefahren drohen dem ökologischen Gleichgewicht durch den Menschen und die konstante Umweltverschmutzung sowie die Schifffahrt, Schleppnetze, Erdölbohrungen, die Erderwärmung, Monsunregen und Zyklonen.

Ökosystem Riff

Neben Korallen leben in der von Jadegrün über Smaragdgrün bis Turmalinblau schillernden Lagune tausende Arten von Meerestieren, darunter die Giant Clams (bis 260 kg schwere, badewannengroße Muscheln, die oft fälschlicherweise als "Mördermuscheln" bezeichnet werden), schön gemusterte Textil- und Balermuscheln sowie zahllose bunte Fische wie der Harelquin Tusk Fish, der Sweetlip Emperor, der Butterfly Fish, der Coral Trout, der Bajazzo-Fisch, der Manta-Rochen und der tödliche Steinfisch. Auch mehrere Haiarten leben am Riff. Zwischen Oktober und April kommen alljährlich Seeschildkröten zum Eierlegen auf einige Inseln (u.a. Heron Island). Zahlreich ist auch die Vogelwelt vertreten (u.a. Fregattvögel, Seeadler, Küstenreiher und Ibisse; auf Bird Island nisten Tausende von Torres-Strait-Tauben).
Seit 1983 ist der größte Teil des Great Barrier Reef (350.000 km2) Nationalpark (Marine Park) und die UNESCO nahm das Riff in ihre World Heritage List auf.

Besuchertipps

Auf Kreuzfahrten, u.a. ab Gladstone, Rockhampton, Mackay, Shute Harbour, Airlie Beach, Townsville, Cairns, Port Douglas und Cooktown, kann man viele der Inseln am Great Barrier Reef kennenlernen. Daneben gibt es zahlreiche Flugverbindungen.

Die beste Jahreszeit für einen Besuch des Outer Reef liegt zwischen April und Mai sowie zwischen Oktober und November. Besonders empfehlenswert sind Neu- oder Vollmondnächte. Denn dann ist die Ebbe am niedrigsten und große Teile des Riffs liegen über Wasser. Zwischen Dezember und April kommt es dagegen häufig zu Wirbelstürmen und es treten verstärkt Quallen, Moskitos und Sandfliegen auf. In der Hauptsaison (Dezember bis Februar, August bis September und Mai) ist eine Vorausbuchung für die Hotels in der Nähe des Riffs unbedingt empfehlenswert. Mit einem Permit des National Parks & Wildlife Service (www.gbrmpa.gov.au/corp_site) darf man in den Nationalparks auf den Inseln verschiedenen Aktivitäten nachgehen. Die sogenannte Zoning List gibt einen Überblick über die erlaubten Tätigkeiten.

Laichzeit der Korallen - Coral Spawing

Weitaus ruhiger zu geht es an der Ningaloo-Küste, die bislang weniger vermarket wird. Neben der Beobachtung der Eiablage von Schildkröten, die anpriesen werden - muss man das wirklich sehen? - werden Fahrten zur Laichzeit der Korallen ("Blüte"), meist so vier bis sechs Tage nach Vollmond im November, angeboten. Die stört man vielleicht weniger.
Die Korallenblüte ist erst seit Beginn der 80er Jahre genauer bekannt. Neu war vor allem die Entdeckung der ungemein kurzen Paarungszeit. Das Ausstoßen der Geschlechtszellen muss zum selben Zeitraum erfolgen, da der Verlust der einzelnen Gameten (Eiz- und Samenzellen) durch Verlust wegen der Strömung und Verwirbelung ansonsten zu hoch und die Aussicht auf Befruchtung zu gering wäre. Taucher, die in diesem fruchtigen Brei umherpaddeln, haben häufig eine Sicht von einem Meter. Tags darauf bedeckt ein orangefarbener Teppich aus unbefruchteten Eiern die Wasseroberfläche.
Was soll´s also? Wo steckt der Charme? Schon Renaud wusste "... la mer est degeulasse, les poissons baisent dedans" (in der Sprache Goethes: "Der Meer ist eklig, denn die Fische vögeln drin"). Nicht verwunderlich, dass viele Zeitgenossen es gar nicht mehr ins Meer schaffen; sie bleiben bei ihrem Pauschalurlaub am Swimmingpool. Aus Abscheu vorm Meer und seinem Getier.

Anbieter nächtlicher Ausflüge zum Riff:
Quicksilver, für zertifizierte Taucher und Schnorchler an. Abfahrt v. Cairns Reef Fleet Terminal um 17.30 Uhr, Rückkehr gegen 23.15 Uhr. Zwei nächtlich geführte Touren stehen auf dem Programm. Nichtschwimmer dürfen das Ereignis vom Boot aus begucken.
Kosten: Taucher rund 160, Schnorchler auf rund 100 Euro für Fahrt, geführte Tauchgänge, Tauch- sowie Schnorchelausrüstung inklusive Neoprenanzug und Taschenlampe sowie die Verpflegung mit Tee, Kaffee sowie einem Essen mit Nachtisch (Korallenlaich?).